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Marillen und Majoran: Geschenke der Kindheit

Eine Liebeserklärung an meine Großmutter.

„Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er hinterlässt, ist bleibend.“ 
                               (J.W. von Goethe)

Einmal im Jahr fuhr meine Großmutter – die eigentlich nicht meine richtige Großmutter war –  einen großen Rucksack am Rücken mit dem Zug in die Wachau. Zur Marillenzeit! Und wenn sie nach Hause kam, dann war der Rucksack schwer und voll mit Marillen und die, die ganz unten lagen, waren vom Gewicht der auf ihnen liegenden weicher als die anderen – und die gab sie mir. Sie waren tieforange und schmeckten unglaublich gut.

Und jedes Jahr zur Marillenzeit taucht dieses Bild als Gruß aus der Vergangenheit wieder auf. Noch immer sehe ich diese satte, saftige, orange Farbe und weiß wie sie schmecken, die reifen und überreifen Früchte. Jedes Mal freue ich mich an diesen Erinnerungen, die bildlich und leiblich mich besuchen. Sehe die Hand meiner Großmutter – sie war vor allem „meine“ Großmutter – die mir wortlos etwas reicht von dem sie weiß wie köstlich es ist. Sehe eigentlich erst jetzt die Selbstverständlichkeit und ihre Freude mit der sie mich überraschen wollte. Meine Welt hat sie dadurch unendlich bereichert und erweitert. Das erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit.

Sie hatte vor dem 2. Weltkrieg als Köchin in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Das Haus in dem ich aufgewachsen bin hat sie mit dem dort verdienten Geld  gekauft. In ihrem Garten wuchsen Kräuter, Gemüse und Blumen. Und neben dem unvergesslichen Erlebnis der köstlichen Marillen hat sie mir noch den Duft des frischen Majorans geschenkt, den sie eines Tages ohne Vorwarnung unter meiner Nase zerrieb. Auch ein unvergessliches Geschenk mit bleibendem Eindruck, dessen Geruch ich noch jederzeit abrufen kann.

Jedes Jahr gibt es in meinem Haus Marillenmarmelade und natürlich wächst ein Majoran auf meiner Terrasse. Wie schön diese Geschenke der Kindheit immer wieder aufzufrischen …. Auch neuronal anzudocken bei Erfahrungen von Freude, Überraschung und Dankbarkeit.

Vielleicht haben auch Sie solche Erinnerungen – Eindrücke, die bleiben?

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